ich rieche was, was Du nicht siehst...
Sie sind hier: Startseite » Mantrailing » Witterung

Witterung

Witterung - wenn Geruch "wandert"

Eine Person bewegt sich am Morgen in einer geraden Linie von Punkt A nach Punkt B.
Mehrere Stunden später wird der Hund an Punkt A angesetzt. Statt der vermeintlich direkten Linie zu folgen, schlägt er einen weiten Bogen nach rechts ein – und gelangt schließlich dennoch korrekt bei Punkt B an.

Am Abend oder in der Nacht wird derselbe Trail erneut gearbeitet. Diesmal läuft der Hund – oder ein anderer Hund – relativ zielstrebig und geradlinig von A nach B.
Windstill, keine Niederschläge. Auf den ersten Blick scheint alles identisch.

Und doch war der Geruchsverlauf ein völlig anderer.

Die Erklärung liegt in der Wirkung der Sonne im Tagesverlauf. Im Laufe des Vormittags beginnt die Sonneneinstrahlung, Boden und Luft rechts neben der ursprünglichen Strecke stärker aufzuheizen. Warme Luft steigt auf. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der kühlere Luft aus den schattigeren Bereichen – also aus dem Bereich der ursprünglichen Spur – ansaugt. Mit dieser Luft werden auch die vom Menschen verlorenen Geruchspartikel mitgezogen und seitlich verlagert.

Gleichzeitig wirken sich die Temperaturunterschiede auf die Mikroorganismen aus, die maßgeblich zur Geruchsbildung beitragen. Die schattige Strecke bietet zunächst ungünstigere Bedingungen für ihr Wachstum, während die sonnig-warmen Bereiche, in die die Geruchspartikel verlagert werden, ideale Voraussetzungen schaffen. Dort vermehren sich die Mikroorganismen deutlich schneller – der Geruch wird intensiver und für den Hund attraktiver.

Zur Mittagszeit kehrt sich der Effekt teilweise um: Die extreme Hitze führt zum Absterben von Mikroorganismen, der Geruch lässt nach. Am Nachmittag wandert die Sonne weiter, der ursprüngliche Wegabschnitt liegt nun zunehmend in der Sonne, während der zuvor aufgeheizte Bereich schattiger wird und abkühlt. Die sinkenden Temperaturen fördern erneut das mikrobielle Wachstum, während sich durch die Erwärmung auf der eigentlichen Spur eine ähnliche Sogwirkung einstellt wie am Vormittag – diesmal jedoch in umgekehrter Richtung.

Die Lösung liegt darin, dass die Sonne im Laufe des Vormittags zuerst begann den Boden und die Luft rechts von der Strecke aufzuheizen. Die warme Luft steigt an dieser Stelle nach oben und kalte Luft, also jene welche sich an der Strecke des Opfers befindet, wird durch den entstehenden Unterdruck in die wärmeren Bereiche gesogen. Dabei nimmt sie die Partikel, welche das Opfer verloren hat mit. Zugleich sind die schattigen Bedingungen auf der eigentlichen Strecke nicht optimal für die Mikroorganismen, während die sonnigen warmen Bereiche in welche sie nun gesogen werden optimale Bedingungen darstellen und bewirken, dass die Kulturen wesentlich schneller wachsen als im Schatten. Die extreme Mittagshitze dann bewirkt wiederum ein Absterben der Organismen und damit ein Nachlassen des Geruchs, am Nachmittag kommt der Bereich der eigentlichen Wegstrecke in die Sonne, währen der vormals sonnige Bereich schattiger wird und damit abkühlt. Die schwindende Hitze bewirkt zum einen einen Anstieg der Population während die Erwärmung an der eigentlichen Spur des Opfers die Sogwirkung vom Vormittag wiederholt, nur diesmal in die umgekehrte Richtung.





Diese Prozesse sind auf den ersten Blick unsichtbar, können jedoch entscheidend dafür sein, ob ein Trail erfolgreich gearbeitet wird oder nicht.

Wird ein Hund in einer solchen Situation abgebrochen, weil der Hundeführer glaubt, der Hund habe sich „verrannt“ – insbesondere dann, wenn man im Training weiß, welchen Weg die Person tatsächlich gegangen ist – schadet dies der Ausbildung. Der Hund arbeitet korrekt nach Geruch, nicht nach menschlicher Logik oder Kartenwissen.

Mantrailing bedeutet, dem Geruch zu vertrauen – auch dann, wenn er nicht dort liegt, wo wir ihn erwarten.